Fünf neue Prüfungen und eine neue Punkteverteilung im AI Trust Audit

KI-Systeme entscheiden in Sekunden, ob sie eine Website als Quelle heranziehen. Woran sie das festmachen, hat sich in den letzten Monaten spürbar verschoben: Nicht mehr die reine Technik entscheidet, sondern ob Aussagen belegt, Antworten direkt entnehmbar und Angaben über alle Quellen hinweg konsistent sind. Der AI Trust Audit prüft deshalb jetzt fünf zusätzliche Punkte und bewertet bestehende Kriterien neu gewichtet.
Das Wichtigste in Kürze
- Fünf neue Prüfungen: Belegdichte, direkt entnehmbare Antworten, ein echter Zugangstest für KI-Crawler, Preise im Quelltext und die Übereinstimmung Ihrer Kernangaben.
- Neue Gewichtung: 17 Kriterien zählen jetzt stärker, 29 schwächer. Was für KI-Antworten wirklich zählt, hat mehr Gewicht.
- Vergleichbar bleibt alles: Keine Messergebnisse werden überschrieben. Ältere Berichte werden nach der aktuellen Verteilung dargestellt, damit Ihr Verlauf über mehrere Prüfungen hinweg auf demselben Maßstab beruht.
Warum sich die Bewertung weiterentwickelt
Als der AI Trust Audit gestartet ist, scheiterten Websites vor allem an Grundlagen: fehlende Sitemap, blockierte Crawler, kein Datenmarkup. Diese Basis sitzt inzwischen bei vielen Websites. Was heute den Unterschied macht, ist eine Ebene darüber: Ein Sprachmodell zitiert am liebsten Inhalte, die es ohne Interpretation übernehmen kann und die sich gegen andere Quellen prüfen lassen.
Genau dort setzen die neuen Prüfungen an. Jede davon beantwortet eine Frage, die ein KI-System implizit stellt, bevor es Ihre Website in einer Antwort nennt.
Die fünf neuen Prüfungen
Belegdichte im Inhalt
Geprüft wird, wie viele nachprüfbare Zahlen, Jahresangaben, Quellen und Zitate Ihr Inhalt enthält. Eine Seite, die „marktführende Qualität“ verspricht, liefert einem Sprachmodell nichts Zitierfähiges. Eine Seite, die schreibt „seit 2008 am Markt, über 40.000 ausgelieferte Bestellungen im Jahr 2025, geprüft nach DIN EN ISO 9001“, schon.
Was Sie tun können: Ergänzen Sie auf Ihren wichtigsten Seiten konkrete Zahlen, Jahresangaben und Quellenangaben. Ein bis zwei belegbare Fakten pro Abschnitt reichen meist aus, um den Unterschied zu machen.
Direkt entnehmbare Antworten
Hier prüfen wir, ob Frageüberschriften mit einer kurzen, vollständigen Antwort direkt darunter vorhanden sind. Solche Blöcke sind für KI-Antworten ideal, weil sie sich ohne Zusammenfassung übernehmen lassen.
Was Sie tun können: Formulieren Sie Überschriften als echte Kundenfragen und beantworten Sie sie im ersten Satz darunter – kurz, eigenständig verständlich, ohne Rückverweis auf den vorherigen Absatz. Die Ausführung darf danach folgen.
Zugang für KI-Crawler (Live-Test)
Bisher haben wir ausgewertet, was Ihre robots.txt erlaubt. Jetzt prüfen wir zusätzlich, ob Ihre Seite mit den echten Kennungen von GPTBot, ClaudeBot, PerplexityBot und Google-Extended tatsächlich abrufbar ist.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Viele Websites erlauben KI-Crawler auf dem Papier, blockieren sie aber in der Praxis über eine Schutzlösung, eine Firewall oder eine Bot-Erkennung im Hosting. Dieser Fall bleibt oft jahrelang unbemerkt, weil im normalen Browser alles funktioniert.
Was Sie tun können: Wenn die Prüfung anschlägt, sprechen Sie mit Ihrem Hosting oder Ihrem Sicherheitsanbieter und nehmen Sie die genannten Kennungen gezielt von der Blockade aus.
Preise und Verfügbarkeit im HTML
Geprüft wird, ob Preis und Verfügbarkeit bereits im ausgelieferten Quelltext stehen und nicht erst per Skript nachgeladen werden. Für Besucher macht das keinen Unterschied. Für ein Sprachmodell, das die Seite ohne Skriptausführung liest, entscheidet es darüber, ob Ihr Angebot überhaupt mit Preis erfasst wird.
Was Sie tun können: Lassen Sie Preis und Verfügbarkeit serverseitig ausgeben und zusätzlich im Datenmarkup auszeichnen. Nachgeladene Varianten für Rabatte oder Staffelpreise können bestehen bleiben, solange ein Basiswert im Quelltext steht.
Übereinstimmung der Kernangaben
Firmenname, Adresse und Telefonnummer werden zwischen Startseite, Impressum und Datenmarkup verglichen. Abweichungen entstehen fast immer unabsichtlich – ein Umzug, eine neue Rufnummer, eine Rechtsform, die an einer Stelle nachgezogen wurde und an drei anderen nicht.
Für KI-Systeme sind solche Widersprüche ein Vertrauensproblem: Wenn sich Ihre eigenen Angaben widersprechen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Marke als eindeutige Entität erkannt und genannt wird.
Was Sie tun können: Legen Sie eine verbindliche Schreibweise für Name, Adresse und Telefonnummer fest und gleichen Sie Impressum, Kontaktseite, Fußzeile und Datenmarkup einmal vollständig darauf ab.
Die neue Punkteverteilung
Parallel zu den neuen Prüfungen haben wir die Gewichtung des gesamten Katalogs überarbeitet. 17 Kriterien zählen jetzt stärker, 29 schwächer, 29 blieben unverändert. Die insgesamt erreichbare Punktzahl sinkt dadurch von 170 auf 153.
Die Richtung dahinter: Kriterien, die tatsächlich darüber entscheiden, ob Inhalte zitiert werden, wiegen schwerer. Dazu gehören strukturierte Inhaltsformate wie Tabellen und nummerierte Listen, die Verknüpfung Ihrer Marke mit autoritativen externen Profilen sowie die Qualität Ihrer Über-uns-Seite. Kriterien mit geringerem Einfluss auf die tatsächliche Sichtbarkeit wurden im Gegenzug zurückgenommen.
Bleiben meine bisherigen Ergebnisse vergleichbar? Ja, und zwar bewusst so gelöst: Ihre gemessenen Einzelergebnisse bleiben unverändert gespeichert, nichts wird rückwirkend überschrieben. Dargestellt werden aber alle Berichte – auch ältere – nach der aktuellen Punkteverteilung. Nur so beruhen zwei Prüfungen derselben Website auf demselben Maßstab und der Verlauf sagt etwas über Ihre Website aus statt über die Bewertungsversion. Im Bericht sehen Sie zusätzlich den früheren Wert als Vergleich.
Ein Hinweis für die Einordnung: Ein leicht verändertes Ergebnis nach der Umstellung bedeutet nicht, dass Ihre Website schlechter oder besser geworden ist. Es bedeutet, dass die Bewertung genauer abbildet, worauf KI-Systeme heute achten.
Ihre nächsten Schritte
- Starten Sie eine neue Prüfung Ihrer Website, damit die fünf neuen Kriterien und die aktuelle Gewichtung einfließen.
- Sehen Sie sich zuerst den Zugangstest für KI-Crawler an. Eine unbemerkte Blockade kostet Sichtbarkeit unabhängig davon, wie gut Ihre Inhalte sind.
- Nehmen Sie sich anschließend Ihre drei wichtigsten Seiten vor und ergänzen Sie belegbare Fakten sowie klare Frage-Antwort-Blöcke.
- Gleichen Sie einmal Ihre Kernangaben über alle Seiten hinweg ab.
- Prüfen Sie nach den Anpassungen erneut und vergleichen Sie den Prozentwert mit Ihrem vorherigen Ergebnis.
Die Kriterien entwickeln sich weiter, weil sich auch die Systeme weiterentwickeln, die über Ihre Sichtbarkeit entscheiden. Wir dokumentieren jede Änderung nachvollziehbar, damit Sie Ihre Ergebnisse jederzeit richtig einordnen können.